Erfahrungsbericht eines Mitglieds und Internetneulings
Ich möchte an dieser Stelle mal einen Kommentar unseres Mitglieds des Jahres Martina Moll posten:
Als ich vor exakt 5 Wochen am Ostersonntag die Einladung für diese Websites erhielt, hatte ich keine Ahnung, was für ein Überraschungsei da in meinem Ne(s)t(z) gelandet war und was ich daraus ausbrüten würde.
Den Einstieg mit der Matheaufgabe habe ich schon mal als gutes Omen betrachtet, weil ich sie
a) lösen konnte und b) das geforderte Ergebnis "17" war, meine Lieblingszahl . Wow. Schöne neue Welt.
Der Designer hat mir auf meine Nachfrage Mut gemacht, dass ich nichts falsch machen könne. (Trost: man (er) kann alles wieder löschen.)
Also log in. Ich bin drin. Oberflächlich betrachtet bin ich schnell durch. Es geht alles einfach und erklärt sich selbst. Ich klicke die Menüleiste an, lese die Beiträge, beteilige mich an den Umfragen, traue mich selbst eine zu starten (Stolz: meine hat die meisten Stimmen bisher) und dann mache ich mich über die Punkte her, die ich als Online-Nutzer aktiv gestalten darf.
Welche Freunde habe ich, die ebenfalls so einen Spaß mitmachen? Hhm. Leider sind die meisten wesentlich zurückhaltender als ich. (Wobei das mit dem "leider" relativ zu sehen ist.) Ein zähes Brot mal einen als Buddie zu aktivieren. Und ich will ja auch noch, dass sie nicht nur reingucken, sie sollen ja bitte schön auch noch mitspielen. Den einen oder anderen habe ich sicherlich damit genervt. Ich freue mich wie ein Schneekönig über jeden "Beitritt". Ist das geil. In Gedanken habe ich mir mein persönliches Ziel gesetzt und arbeite an meiner "Erfolgsquote" - Vertriebsmensch halt - und ich bin verdammt gut. Ziel übererfüllt. Ich ziehe alle Register. Leiste sogar "Hotlinehilfe" (Aussage: ich bin zu blöd, mich einzuloggen... Nix gibt´s! Geht nicht, gibt´s nicht.)
Bildergalerie - was für eine Herausforderung. Genial. Bilder müssen her. Wusste selbst nicht, was sich alles in den heimischen Archiven befindet. Sagenhaft. Bei der Gelegenheit sortiere ich den ganzen Mist gleich mal, lege Ordner an, kenne mich jetzt wesentlich besser mit dem Explorer aus und schaffe Ordnung auf meinem Rechner. Wobei ich dazu sagen muß, dass ich erst seit kurzem Privatnutzer bin. Bisher habe ich mich immer geweigert, zu Hause vor so einer "bescheuerten Kiste" zu sitzen. Reicht mir schon, dass ich aus beruflichen Gründen den ganzen Tag dran hocke und meine kostbare Freizeit will ich nicht in die virtuelle Welt investieren.
Summa summarum ist jetzt alles anders.
Ich sage nur: carpe noctam. Wobei diese auch manchmal noch zu kurz ist. Die Nebeneffekte aus der Teilnahme an diesem Projekt sind wirklich erstaunlich:
Ich habe Kontakte aufgefrischt und jede Menge Menschen gesprochen, auf die ich ohne diesen Anlaß nie gekommen wäre. So ganz nebenbei bin ich dadurch in den Besitz einer genialen E-Gitarre gekommen und habe nach einer Rockparty einen anschließend drei Tage andauernden Gehörschaden erlitten. Ich habe mir ein Bildbearbeitungsprogramm zugelegt und weiss jetzt endlich, wie meine digitale Kamera funktioniert. Ich habe erfahren, was ICQ ist, youtube.com besucht, was ich für mein weiteres Leben nicht wirklich brauche, aber jetzt wenigstens nicht mehr ganz ahnungslos daneben stehe, wenn mal irgendwo davon die Rede ist. Ich habe Seiten gelesen, die ich besser nie gesehen hätte - aber vielleicht haben sie mir nur aufgezeigt, wie naiv ich in manchen Dingen bin...
Mehrere hundert Webshots und Musiktitel befinden sich mittler Weile (legal) auf meinem Laptop. Demnächst werde ich meine Teenager-LPs digitalisieren und bin jetzt schon ein vielgefragter DJ.
Mein Moleskine ist zur Zeit mein meistgenutzter Gebrauchsgegenstand. Es gibt immer wieder überall Stichworte für neue Ideen und aus diesem Grund beschmökere ich auch Poesiealben, Tagebücher, Schulaufsätze, Korrespondenzen mit meinen früheren Brieffreundschaften. Beim Vergleich dieser Relikte aus längst vergangenen Tagen ( man stelle sich Briefe von 10 DINA 4 Seiten - handgeschrieben - vor) mit einer durchschnittlichen sms von - sagen wir - 10 fast nicht zu identifizierenden Hieroglyphen in einer sprachanarchistischen Schreibweise, muß ich ja schon mal schmunzeln. Unfassbar dieser Medienwandel.
Ich habe 3 KG zugenommen, weil ich keine Zeit bzw. Lust mehr für mein Heimtraining habe.
An einigen Unis habe ich inzwischen Freunde, weil ich - wie auch immer - an die Studis geraten bin. Vom Nachrichten und Artikel schreiben, schramme ich permanent knapp an einer Sehnenscheidenentzündung vorbei.
Der Gedanke an mein eigenes Projekt , das ich seit meiner Auszeit letztes Jahr vor mir herschiebe, ist wieder aufgeflammt. Starte etwas... Geniales, Unvergängliches, Mutiges, was auch immer ... es ist wieder da.
Muss nur noch sehen, dass ich dieses Internet virus in den Griff bekommen, welches mich zur Zeit infiziert hat. Habe mich trösten lassen, dass die Suchtsymptome mit der Zeit nachlassen. Es dauert nur ein paar Monate .... ???? Okay. Es besteht also noch Hoffnung. Aber jetzt muß es erst mal durchlitten werden. Und es ist verdammt heftig und nervig! Denn es hat nicht irgendjemanden getroffen, sondern mich. Halbherzige Sachen liegen mir nicht. Wenn schon, dann richtig. Davon bleibt auch meine Umgebung nicht verschont. Was mich momentan so eingefangen und begeistert hat, kommt bei einem Teil meiner Mitmenschen höchst befremdlich an. Die einen vernächlassige ich, andere kriegen mehr ab, als sie haben wollen und können es ebensowenig wie ich glauben, was ich da eigentlich mache. Was ist bloß los? Moll live und unberechenbar!
Mittler Weile ist es Sonntagmittag und ich sitze schon wieder seit Stunden am Bildschirm.
Was für ein Horror, wenn ich mir vorstelle, dass mir durch all das ein gutes Gespräch mit einem Menschen vis a vis, ein gemeinsames Lachen, ein fröhliches Spiel oder eine Apfelschorle trinken nach dem Training verloren gehen. Was nützt mir eine virtuelle Freundschaft in Kiel, wenn ich dadurch eine mögliche Freundschaft in der realen Welt auf´s Spiel setze? Dieser Preis wäre mir zu hoch.
So, jetzt werde ich zur Aktivierung der Abwehrkräfte mal eine Runde mit dem Gickel drehen und zusehen, dass ich die Kurve irgendwie kriege. Und ich freue mich darauf, Euch auf dem Tennisplatz oder einem Straßenfest oder im Opelbad oder sonst wo zu treffen. Das finde ich viel schöner, als ein Online date.
Insgesamt hat mir diese Sache hier natürlich auch sehr viel Spaß gemacht. Und ich habe viel gelernt über Netzwerke, andere Menschen - und über mich.
I´ll stay online, but not all time.
In diesem Sinne vielen lieben Dank und Grüße an den Osterhasen.
Danke Martina!
- Blog von Marco Laspe
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Wer schmökert denn da?
;)
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